Liedersammlung des Zürcher Chorliederverlag

1. Als der Wächter auf dem Turme saß,

Liedtext

indexcontent
first_line1. Als der Wächter auf dem Turme saß,
lyric1. Als der Wächter auf dem Turme saß,
rief, er mit heller Stimme:
""Steht auf, steht auf, ihr jungen Leut,
wo eins oder zwei beisammen seid,
der Tag fängt an zu leuchten, zu leuchten.""

2. Das Mädchen wohl aus dem Bette sprang,
den Tag wollt sie beschauen.
""Sei still, sei still, mein junger Knab!
Es sind noch zwei drei Stund bis Tag:
Der Wächter hat uns betrogen, betrogen.""

3. ""Ei, wenn uns der Wächter betrogen hat,
komm her und leg dich nieder!
Komm leg dich in mein' Arm hinein,
Übers Jahr sollst du mein eigen sein,
mein eigen sollst du werden auf Erden!""

4. ""Dein eigen werd ich nimmermehr,
das kannst du sicherlich glauben.
Wenn du's beschwörst mit deiner Treu,
dass dir kein andre lieber sei,
so will ich dir's schon glauben, ja glauben.""

5. Des Morgens als der Tag anbrach
ging sie wohl Wasser holen,
da begegnet ihr derselbig Knab,
der die Nacht bei ihr geschlafen hat,
er bot ihr einen guten Morgen, verborgen:

6. ""Guten Morgen, du herztausender Schatz,
wie hast du heut geschlafen?""
""Ich hab geschlafen in deinem Arm,
und hab verschlafen, dass Gott erbarm!
Mein Ehr hab ich verschlafen, verschlafen.""

7. ""Dein Ehr, dein Ehr die verschläfst du nicht,
lass dich das nicht gereuen.
Ich bin fürwahr ein reicher Knab,
der auch viel Geld und Güter hat,
dein' Ehr will ich bezahlen mit Taler.""

8. ""Mein Ehr, mein Ehr die bezahlst du mir nicht,
du bist ein lustger Schelme.
Wenn Feur und Stroh beisammen sind
und wenn auch Schnee dazwischen schneit,
tut es doch endlich brennen, ja brennen.""
___

1. Der Wächter auf dem Turme saß,
sein Hörnlein tat er blasen:
Wer noch bei seinem Schätzlein liegt,
der steh nun auf und mach sich fort,
der Tag fängt an zu strahlen,
zu malen.

2. Das Mädchen aus dem Bette sprang,
den Tag wollt sie anschauen:
Bleib liegen nur, herztausender Schatz,
es ist fürwahr noch lang nicht Tag,
der Wächter hat uns belogen,
betrogen!

3. Das Mägdlein früh zum Brunnen ging,
frisch Wasser wollt sie holen,
da begegnet ihr derselbige Knab,
der Nachts bei ihr geschlafen hat,
und bot ihr ein guten Morgen,
verborgen.

4. Guten Morgen, guten Morgen, herztausender Schatz,
wie hast du heint geschlafen?
Ich hab geschlafen in deinem Arm,
ich hab geschlafen, daß Gott erbarm!
Mein Ehr hab ich verschlafen,
verschlafen!

5. Wenn du dein Ehr verschlafen hast,
so laß dichs nicht gereuen!
Ich bin fürwahr derselbige Knab,
der auch noch Geld und Güter hat:
Dein Ehr will ich dir bezahlen,
ja zahlen!

6. Mein Ehre, die bezahlst du nicht,
du bist ein loser Schelme.
Wenn Feur und Stroh beisammen leit,
und wenn auch Schnee dazwischen schneit,
so muß es doch endlich brennen,
ja brennen!
language ISO 639deu = german / allemand / deutsch / deutsch
protection ©domain public