| lyric | 1. Es stand auf hohen Bergen eine alte Burg am Rhein. Sie lud den müden Pilger von weitem zu sich ein.
2. Um jede Mittagsstunde trat aus dem Gittertor ein schönes, holdes Fräulein im schwarzen Gewand hervor.
3. Es kannten viele Arme die Stunde und den Ort: Die Maid gab reiche Spenden, sie gab ein tröstend Wort.
4. Einst sah sie an der Pforte ein'n jungen Pilgersmann. Sie begegnet seinem Blicke, sie meint, er fleh' sie an.
5. Doch von den vielen Gaben war schon die Tasche leer; sie sucht und sucht und findet nicht einen Heller mehr.
6. Wohl trägt sie auf dem Busen der Jungfrau holdes Bild. Sie reicht es hin dem Pilger und lächelt himmlisch mild.
7. Das Fräulein bebt wie Espen, sie senkt den schüchtern Blick: sie eilt ins Schloss, doch zieht es sie wieder bald zurück.
8. Der Pilger stand noch immer gelehnt an seinem Stab, er drückt an seine Lippen des Mädchens holde Gab.
9. ""Wer bist du, junger Pilger? Kommst du aus fernem Land? Oder deckt dich bloß zum Scheine dies friedliche Gewand?""
10. ""Mein Schloß, es steht dort unten, ich führ ein gutes Schwert. Ich will den Vater rächen, denn ihn deckt blut'ge Erd.
11. Den Tod hat er empfangen nicht ehrlich im Gefecht, drum schwor ich, auszuüben, streng der Vergeltung Recht.""
12. ""Ein tückisch Mördereisen nahm auch den Vater mir: du siehst des Schmerzes Zeichen noch am Gewände hier.
13. Er tauchte meine Finger in seine Wunde ein. Ich tat den Schwur der Rache am Haus von Falkenstein.""
14. Es zog sein Schwert der Pilger und reichts der schönen Maid: ""Ich bin der Falkensteiner, Vollbringe deinen Eid!
15. Lang war der Hass der Väter, Das Schicksal es gebot: Sie trafen sich im Forste und gaben sich den Tod.
16. In Hass sind sie geschieden, mein Haus mag untergehn; mein' Rache ist geschwunden, seitdem ich Dich gesehn!""
17. Dem Mädchen klopfts im Busen, das Herz ist ihm so schwer. Es möcht die Tränen bergen und kann es doch nicht mehr.
18. Sie reicht die Hand dem Jüngling: ""Gott schenk Dir seine Huld! Lass sühnen uns durch Liebe der Väter schwere Schuld!
19. Lass am Altar uns sprechen das heilge, süße Wort: Die Hand, die wir uns reichen, die reichen sie sich dort.""
20. Und bald nach wenig Tagen führt er sie zum Altar. In ihrer Burgkapelle reicht sie die Hand ihm dar.
21. Und als der Priester segnet, erhellet sich der Chor: Zwei weiße Ritter steigen wie aus der Erd hervor.
22. Sie wallen Arm in Arme bei süßer Melodie, und mit den fremden Tönen im Nu verschwinden sie.
23. Die Braut sank tief erschaudert an des Geliebten Herz: Sie schwuren dann noch einmal sich Treu in Leid und Schmerz. |