Liedersammlung des Zürcher Chorliederverlag

1. Tannhuser war ein wundrige Knab [Chnab],

Liedtext

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first_line1. Tannhuser war ein wundrige Knab [Chnab],
lyric1. Tannhuser war ein wundrige Knab [Chnab],
groß Wunder goht er go schauen;
er goht wohl uf der Frau Vrenes Berg
zu denen dri schönen Jungfrauen.

2. Wann er in grüenen Wald use käm
Zue dene schönen Jungfrauen,
Sie fiengen an ein längen Tanz,
Ein Jahr war ihnen ein Stunde,.

3. „Tannhuser, lieber Tannhuser mein,
Weit Ihr bei uns verbleiben?
Ich will Euch die jüngste Tochter gä
Zu einem ehliche Weibe.“

4. Die jüngste Tochter die will ich nit,
Sie treit den Tüfel in ihre.
Ich gseh’s an ihre brun Augen an,
Wie er in ihre tuet brinnen.“

5. „Tannhuser, liebe Tannhuser mein,
Du sollst uns nicht schelten;
Wann du kommst in disen Berg,
So mueßt du es etgelten.“

6. Frau Vrene hat ein Feigenbaum,
Er leit sich drunter zu schlafen.
Es kam ihm vür in seinem Traum:
Von Sünden sollt er lassen.

7. Tann huser stuend uf und gieng davon,
Er wollt ge Rom ge bichten.
Wann er ge Rom wohl ine käm,
War er mit blutten Füeßen.

8. Wann er ge Rom wohl ine käm,
War er mit blutten Füeßen.
Er fiel auch nider uf seini Knie,
Seini Sünden wollt er abbüeßen.

9. Der Papst treit ein Stab in seiner Hand,
Vor Dürri tuet er spalten:
„So wenig werden dir din Sünden nachg^lan,
So wenig daß diser Stab gruenet.“

10. Er kneuet vür das Kreuzaltas
Mit ausgespannten Armen:
„Ich bitt es dich, Herr Jesus Christ,
Du wellist meiner erbarmen!“

11. Tannhuser gieng zur Kirchen us
Mit seim verzagten Herzen:
„Gott ist mir allzeit gnädig gsi,
Jetz mueß ich von ihm lassen.“

12. Wann er vür’s Tor hinusse käm,
Begegnet ihm üsi Liebe Frauen:
„Behüet dich Gott, du reini MAgd!
Dich darf ich nimmen anschauen.“

13. Es gieng numen eben dritthalben Tag,
Der Stab fieng an sa gruenen.
Der Papst schickt us in alli Land,
Er ließ Tannhuser suechen.

14. Tannhuser ist jetzt nimmen hier,
Tannhuser ist verfahren.
Tannhuser ist in Frau Vrenes Berg,
Wott Gottes Gnad erwarten.

15. Drum soll kein Papst, kein Kardinal
Kein Sünder nie verdammen;
Der Sünder mag sein, so groß er will,
kann Gottes Gnad erlangen.
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1. Tannhuser war ein wundrige Knab,
gross Wunder goht er go schaue;
er goht wohl uf der Frau Vrenes Berg
zu dene dry schöne Jungfraue.

2. Die sind die ganze Wuche gar schö
mit Gold und mit Syde behange,
händ Halsschmeid a und Maielrö:
am Sunntig sind s’ Ottre und Schlange.

3. Jetz tritt es bald in’s siebente Jahr –
so brichtet die alte Mär —
dass er ein grosser Sünder war,
syn Seel verdammet wäre.

4. Und wie des Morgeds Tag es war,
Tannhuser wollte gan bychte,
er wollte wohl gehen für den Pfarr,
wollt syni Sünde verrichte.

5. Der nahm die Sünde ihm aber nid ab
und sagt, zum Papbst müess er wandre.
Da kehrt es synen Pilgerstab
nach Rom, wie viele andre.

6. Der apbst, der nahm den Stab in die Hand,
vor Dürre wollte er spalte;
„So wenig das Stäbli noch Läubli tragt,
so wenig kannst Gnad du erhalte.“

7. «Wenn i kei Gnad erhalte mag,
so geh i uf Frau Vrenes Berg bi
und schlafe bis an jüngste Tag,
bis Gott selber tut wecke mi.»
‚8. Do währet es nid gar dritthalb Tag,
das Stäin fangt a zu grüene,
trait dry rote Röseli z Tag,
dry wunderschöni Blueme.
9. Der Papst schickt us i Land und Berg,
si könne Tannhuser nid finde;
er lyt wohl uf der Frau Vrenes Berg
bi dene dry schöne Chinde.

10. Es währet nid gar e halbes Jahr
der Papst, der war gestorbe;
jetz ist er verdammet i Ewigkeit,
muess ewig sy verdorbe.
11. Drum soll kei Bischof, kei Papst nid mehr
kei arme Sünder verdamme;
gross Gwalt die git nu Straf, nit Ehr.
In namen Domini, Arne.
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