Liedersammlung des Zürcher Chorliederverlag

1. Wilhelm bin ich, der Telle,

Liedtext

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first_line1. Wilhelm bin ich, der Telle,
lyric1. Wilhelm bin ich, der Telle,
von Heldes Muet und Bluet.
Mit mynem Gschoss gar schnellle,
han ich die Freiheit guet
dem Vaterland erworben,
vertrieben Tyranny,
ein festen Bund geschworen
hand unser Gsellen dry.

2. Uri, Schwyz, Unterwalden
gefreiet von dem Rych,
litten gross Zwang und Gewalte
von Vögten unbillig;
kein Landmann durft nicht sprechen:
„Das ist mein eigen Gut!“
Man nahm ihm also ffreche
die Ochsen von dem Pflug.

3. Dem, der sich wollte rächen
und stellen in der Wehr
thät man die Augen ausstechen.
Nun höret Bosheit mehr:
Zu Altdorf bei der Linden
der Vogt steckt auf sein Hut,
er sprach: „Ich will den finden,
der dem kein Ehr anthut!“

4. Das hat mich verursachet,
dass ich mein Leben wagt,
den Jammer ich betrachtet,
des Landmanns schwere Klag:
Viel lieber wollt ich sterben,
denn lebn in solcher Schand;
dem Vaterland erwerben
wollt ich den freien Stand.

5. Den Filz wollt ich nicht ehren,
den aufgesteckten Hut,
verdrosse dem Zwingherren,
in seinem Uebermuth.
Er fasst ein Anschlag eitel,
dass ich musst schiessen gschwind
ein Apfel von dem Scheitel
mein allerliebsten Kind.

6. Ich bat Gott um sein Güte
und spannet auf mit Schmerz,
vor Angst und Zwang mir blutet
mein väterliches Herz;
den Pfeil konnnt ich wohl setzen,
bewahret war der Knab,
ich schoss ihm unverletzet
vom Haupt den Apfel ab.

7. Auf Gott stand all mein Hoffen,
der leitet’ meinen Pfeil;
doch hätt ich mein Kind troffen,
ich hätt fürwahr in Eil
den Bogen wieder gspannen
und troiffen an den Ort
den gottlosen Tyrannen,
zu rächen solchen Mord.

8. Das hat der Bluthund gschwinde
gar wol an mir vermerkt,
dann ich ein Pfeil dahinden
in meinen Goller gsteckt;
was ich damit thät meinen,
wollt er ein Wissen han;
ich konnt es nicht verneinen,
zeigt ihm mein Meinung an.

9. Er hat mir zwar versprochen,
er wollte mir thun kein Leid;
jedoch hat er gebrochen
sein Wort und auch sein Eid;
ja zu derselben Stunde
mit Zorn er mich angriff,
liess mich gar hart gebunden
hinführen in ein Schiff.

10. Ich begnade meine Gsinde,
dass ich sie muss verlan,
mich jammert Weib und Kinde
mit manchem Biedermann;
ich meint sie nicht mehr zu finden,
vergoss so manche Trhan,
von Herzleid thät mir gschwinden,
des lachet der Tyrann.

11. Er wollt mich ahn zur Busse,
beraubt des Sonnenschein,
zu Küssnacht auf dem Schlosse
mich ewig sperren ein.
£Mit Trutzen und mit Pochen
führten sie mich dahin:
Das liess Gott nit ungerochen
und half dem Diener sin.

12. Dem Wind thet er gebieten,
der kam im Sturm daher,
der See fing an zu wüthen,das Schiff stund in Gefahr;
der Vogt hiess mich losbindden
und an dem Ruder stan,
er sprach: „Hilf uns geschwinde
mir und dir selbst darvon“.

13. Das thät ich gern erstatten
ich säumt mich da nit lang;
alsi ich kam zu der Platten,
zum Schiff hinaus ich sprang.
Ich eilt so wunderschnelle
durch hoheh Berg hindan,
denWinden und den Wellen
befahl ichden Tyrann.

14. Er brüllet wie ein Löwe
und schrie mir zornig nach,.
ich achtet’ nicht sein Dröwen
zu fliehen war mir gach;
ja in der hohlen Gassen
wollt rächen ich den Trutz,
mein Armbrust that ich fassen
und rüst mich zu dem Schutz.

15. Der Landvogt kam jetzt geritten
hinauf die Gaassen hohl,
ich schoss ihn durch die Mitten,
der Schuss war grathen wohl;
zu Tod hab ich ihn gschossen
mit meinem Pfeile gut,
er fiel bald ba dem Rosse,
des war ich wohl zu Muth.

16. Als David mit den Schlingen
den grossen Goliath
mit einem Stein geringe
zu Boden g’worfen hat:
Also gab Gott der Herre
mir seine Gnad und Macht,
dass ichmich Gwalts erwehrte,
den Feind hab umgebracht.

17. Mein Gsell hats auch gewaget,
bewisen kein Genad,
den Landenberg gezwaget
mit einer Axt im Bad,
der sein Ehrweib mit Zwange
wollt haben zum Muthwill;
das schont er ihm nicht lange
schlug ihn zu Tod in Yl.

18. Kein ander Gut noch Beute
suchten wir in gemein,
dann den Gewalt auszureuten,
das Land zu machen rein;
wir funden ja kein Rechte,
kein’ Schirm, kein Obrigkeit,
darum mussten wir fechten,
Gotts Gand war uns bereit.

19. Da fieng sich an zu wehren
ein werthe Eidgenossenschaft,
im Angriff bald zum Wehren,
der Feind der kam mit Kraft;
den Ernst wir das nciht sparten,
und schlugen tapfer drein,
wol an dem Moregarten
musst er erschlagen sein.

20. Wir schlugen da den Adel
mit aller seiner Macht,
gesträuft hand wir den Wadel,
den Pfau, der unsveracht;
ein Pfeil hat uns gewarnet,
das Glück stund auf der Wag,
gar saur hand wir erarnet
zwen Sie am gleichen Tag.

21. Der Feind that uns angreifen,
mehr denn an einem Ort,
den Schimpf macht er uns reife,
wir mustenlaufen fort.
An BRünig zu dem Streite
zu Hülf den Freunden gut;
da gab den Pfau die Weite,
das kost viel Schweiss und Blut.

22. Das merkt, fromme Eidg’nossen,
gedenket oft daran:
Das Blut für euch vergossen
lasst euch zu Herzen gan!
Die Freiheit thut euch zieren,
darum gebt Gott die Ehr,
sollet ihr die verlieren,
sie würd’ euch nimmermerh.

23. Mit Müh ist wohl gepflanzet
mit euerer Vater Blut,
Freiheit, den edlen Kranze,
den haltet mal in Hut!
Man wird euch den abstechen,
besorg, zur selben Zeit,
wann Treu und GLau wird brechen,
den Eigennutz und Geit.

24. Mir ist, ich gsehe kommen,
so manchen Herren stolz,
bringen in grossen Summen
des Gelds und rothen Golds,
damit euch abzumarken
zu klaufen euer Kind,
die noch kein Wort nicht sprechen
und in der Wiegen sind.

25. Ich tun euch dessen warnen,
weil Warnung noch hat platz:
Gespannt sind auch die Garne,
die Hund sein auf der Hatz;
gedenkt an meine Treue,
kein Tell kommt nimmermehr;
es wird kein Freude neue
Gaben kein besser Lehr.

26. Thut euch zusammenhalten
in Fried undEinigkeit
als eure frommen Alten
betrachtet Bund und Eid!
Lasst euch das Geld nicht müssen,
die Gaben machen blind,
dass ihr nicht müset büssen
und dienen zletzt dem Feind!

27. Den Telle solle wir loben,
sein Armbrust halten werth,
dass er vom grimmen Toben
der Herren hat erwehrt,
viel Städt und Schlösser brochen,
geschossen auf den Grund,
errettet von schwerem Joche,
gemacht der Schweizer-Bund.

28. Nehmt hin, fromme Eidgenossen,
die noch aufrichtig sind,
das Lied, hiermit geschlossen,
thut schlagen in den Wind!
Der Muheim hats gesungen,
gedichtet und gemehrt,
zur Warnung glehrt den Jungen,
dem Vaterland verehrt.
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