| lyric | 1. Das ist bestehn vor aller Zeit: Ein Königrych in Schweden leidt, von hinnen weit abglägen. Da war ein Teure über d Mass, sie funden nichts auf keiner Strass, das täten sie herzlich klägen.
2, Die Teurung at gewährt so lang, dass manin Schweden keine Nahrung fand und in dem Land Ostfriesen. Da hand sie glitten grosse Not, mancher starb durch Hungerstod; das konnten sie nicht kiesen.
3. Der König besammelt seinen Rat, er sagt den Wysen von der Sach; denn er ging um mit Listen. Er ward gemehret mit der Hand: Der Zehend musst vom Vaterland, den andern ’s eben zu fristen.
4. Nun hädt’ es wahrlich den Verstand: Keiner wollt aus dem Vaterland, sein eigen Haus verlassen. Ein Jeden dünkt in seinem Sinn, er wollt noch lieber daheimen syn; keiner wollt auf die Strassen.
5. Da gab es ein verwirrte Sach, darum hat man ein Los gemacht, man durft nicht weiter fragen. Welchen es traf, der musst davon, er war Bauer oder Edelmann; da half kein Weinen oder Klagen.
6. Aus Ostfriesen zog eine grosse Schar, kamend mit den Schweden dahar; die Sach nahmen sie zu Handen. Sie musten ziehen überall, aus Bergen und aus tiefem Tal, von Städten und von Landen.
7. Drei Hauptleit wurden bald erwählt; sechstausend Mann wurden gezählt, auf die das Los war kommen. Litten Hunger, Frost und grosse Not, die schwangern Frauen klagten’s Gott; der Herr besucht die Frommen.
8. Da ihnen geben ward der Bscheid, da schwuren sie ein festen Eid, einander nicht zu lassen: O treuer Gott in deinem Rych, teil aus dein Gaben miltiglich. Wir müssen auf die Strassen!
9. An eim Morgen man sie ziehen sach, ein Wunder, dass ihnen ’s Herz nicht brach wie sie mussten von hinnen! Etlich führtend d Kind bei der Hand, die hatten wenig Proviant; herzlich hört man sie weinen. 10. Sie hatten Hunger mehr als Durst, lachen sie gar wenig glust, doch taten s’ einander trösten. Einander hieltens Glauben und Treu, und stunden allzeit fest darbei, im Kleinen wie im Grössten. 11. Sie zogen dran in grosser Gfahr, nahmend einander treulich wahr. In Städten und auch Landen warend sie handfest aus der Mass; was ihnen begegnet auf der Strass, das nahmen sie zu Handen. 12. Wurden reich an fahrend Gut, das ihnen brachte Freud und Mut, und wollten nicht verzagen. Dass sie vertrieben mit Weib und Kind, mit ihrem ganzen Hausgesind, taten nur Gott sie klagen. 13. Es ward Graf Peter und anderen kund, machten sich auf in kurzer Stund hand ihnen d Strass verzogen also mit einem starken Heer, wollten ihnen nehmen Hab und Wehr; der Wahn hat sie betrogen. 14. Die Grafen zogen mächtiglich — sie waren beed aus Frankenrych — wollten sich nicht begnügen. Sie zogen gegen dem armen Volk, als wärens eitel Hund und Wolf, taten ihm Schaden zufügen. 15. Der Herr, der alle Herzen kennt, hat gnädig sich zu ihnen gwendt, dass sie hand überwunden die Frankrycher samt ihrem Züg — ein grosses Volk, ich gar nicht lüg. Gross Gut hand sie gewunnen.
16. Das Gut teilten sie brüderlich, den Hauptleuten und Knechten glych, drum tät sie Gott bewahren, dass sie durch Städt und weite Land, die ihnen warend unbekannt, mit Freuden konnten fahren. 17. Sie zogen bei dem Rhein hinauf, des Volkes war ein grosser Hauf , ein Glegenheit zu finden im Herzogtum zu Oesterych; dieselb war ihrem Lande glych, daraus sie waren trieben. 18. Der Oberst, Schweitzerus genannt, der hat gebetten um das Land, dass man ihn das liess reuten. Er hat viel Schafe, Ross und Rind, derzue viel Weiber und auch Kind, derzue viel starke Leute. 19. Die Gegend hiess das Brochenbirg4, daran da wuchs gut Fleisch und Milch und auch viel schönes Koren. Schweitzerus nach ward es genannt, ist manchem Menschen wohl bekannt, aus Schweden ward er erboren. 20. Das Volk war gar in grosser Zahl. Das Land sie räumten überall, hielten sich drin mit Züchten; sie dankten Gott dem Vater drum. Kein Winkel war so schlecht und krumm, er gab viel guter Früchten. 21. Sie warend in dem Handel streng. Sie dünkt, das Land wollt werden z eng, täten sich wohl beraten: Ein Teil zog gegen den schwarzen Birg, der jetzt Brünig genennet wird; ist ihnen wohl geraten. 22. Sie zogen über’s Birg gerist — auf Gott waren sie wohlgetröst, auf den stand ihr Vertrauen — und zogen hin wohl in das Tal, draus rinnt ein Wasser, heisst die Aar. Da taten sie fleissig bauen.
23. Da hand sie gwerket Tag und Nacht, bis dass ein jeder ein Hütten gmacht, darin sie allzeit wären. Sie hatten manchen strengen Tag, eh ihnen das Land ein Nutzen gab; noch wollten sie’s nicht entbehren. 24. Einer strengte den andern an, und ruften Gott zum Ghülfen an, liessen sich nichts verdriessen. Ihr Arbeit war auch nicht verlorn, Gott liess gnug wachsen Laub und Korn, in Notdurft zu geniessen. 25. Ihre Kleidung war von grober Zwilch, ihre Nahrung war Fleisch, Käs und Milch; taten sich damit spysen. Reuthauen war ihr Geigenbogen, damit hand sie die Kinder erzogen, stark Leut, gleich wie die Riesen.
26. Ein fürstlich Stadt ist Hasli genannt, ist g’legen wyt in Schwedenland, die tat man wyt erkennen. Daher sind sie am ersten chen, das tut in ihrer Chronik stohn; drum tut mans Hasler nennen. 27. Es solls niemand für übel han, und denk hiemit ein Jeder dran mit seiner lieben Frauen, wie die Alten hand Haus gehäbt, in Einigkeit und Fried gelebt — den Spiegel soll man schauen |