| lyric | „O Herr, du hast die Waffe zerbrochen dem Verrat, Schon’ nun des Waffenlosen, er wüßt’ nicht, was er tat, Und rufe alle wieder zu dir, die da verirrt, Auf daß fortan auf Erden eine Herde und ein Hirt!“
So beteten die Christen am Morgen nach der Schlacht, Als kaum noch über ihnen die erste Lerch’ erwacht, Mit ihrem Liede weckend die Welt zu Gottes Lob, Der vom Gebirg allmählich die Nebelschleier hob.
Da hörten sie voll staunen, eh’ noch begann der Tag, So früh schon in der Tiefe des Lebens Wellenschlag, Weit durch den Riß der Nebel blitzt’s manchmal festlich auf, Ein unermeßner Jubel steigt aus dem Tal herauf.
Aber die Klippen aber schwingt sich ein Bursch hinan: „Viktoria! frohe Botschaft! sie haben den Octovian Zum Kaiser ausgerufen, der unserm Glauben treu, Nun danket all dem Herrn, die Welt ist wieder frei!“
Und wie die frohe Kunde jetzt flog von Mund zu Mund, Begann ein buntes Wirren über den ganzen Grund, Sank mancher auf die knie, betend vor Freuden stumm, Die Kinder alle jauchzten und wußten nicht warum.
Da plötzlich bricht durchs Dickicht ein todmüder Mann — Severus! rufen alle, und sehn entsetzt ihn an, So wundersam beleuchtet schien er von Morgenglut — Es waren nicht Morgengluten, er war so rot von Blut.
Und ringsherrief’s: „Du führtest aus Knechtschaft uns hinaus, Nun führe auch die Deinen zurück ins freie Haus! Sieh, friedlich glänzt da unten dein Schloß im Morgenschein, Die Vögel und Quellen wieder laden zum Garten dich ein.“
Er aber sprach gar traurig: „Ich führ’ euch nimmermehr, Laßt die Vögel verfliegen, die Quellen rinnen ins Meer, Die Mauern sollen zerfallen und der Garten mag verblühn — Ich hab’ den Kaiser erschlagen — ich kann nicht mit euch ziehn!
Ich kann nicht mit euch beten: Vergib uns unsre schuld! Ich übt’ an meinem Schuldner Erbarmen nicht noch Huld! Betet für meine Seele, mein Tagewerk ist vollbracht, Und über mir herein schon dämmert die ew’ge Nacht.“
Und als die Sonne aufging und alle zogen hinab, Da sank der Todeswunde tot auf des Sohnes Grab, Und in den Morgenjubel, der durch die Täler schallt, Rauscht von der stillen Höhe so feierlich der Wald.
Ob ihm verziehn? — die sage berichtet nicht den Spruch Denn keiner hat gelesen in des Gerichtes Buch — Du aber Hut den Dämon, der in der Brust dir gleißt, Daß er nicht plötzlich ausbricht und wild dich selbst zerreißt. |