Liedersammlung des Zürcher Chorliederverlag

Es hatte längst der Sünden blüh’nde Saaten

Liedtext

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first_lineEs hatte längst der Sünden blüh’nde Saaten
lyricEs hatte längst der Sünden blüh’nde Saaten
Gereift die Sonne blutigrot,
Und durch das üpp’ge Feld der Freveltaten
Sing nun der grause Schnitter Tod.

Schon ringt die wilde Feldschlacht um die Brücke,
Die überführt ins Morgenland,
Und überm Kampfgewühl lenkt die Geschicke
Unsichtbar des Allmächt’gen Hand.

Es dröhnt das Land von Roms geschloßnen Massen,
Und wider sie hat wild der Orient
Die Meute seiner Wüsten losgelassen
Und sein versengend Element.

Wie Schakals gier’ge Reiterschwärme schweifen,
Der Elefant, ein wandernd Schloß,
Bricht Speer und Schwert, und mit den Zähnen greifen
Einander sterbend Mann und Roß.

Schon sieht der Julian die Römer schwanken
Und wie ein mürbes Wurmgenist
Im Sturm der Weltgeschichte wanken
Der Herrscherlüfte Prachtgerüst.

Und wütend greift er in des Schicksals Zügel,
Und wo der Bau zusammenkracht,
Hebt er den Adler über Leichenhügel
Und wendet noch einmal die Schlacht.

So vorgesprengt, des Feindes Lanzenginern
Und seinem eignen Heer gleich fern,
Stand plötzlich er wie zwischen zwei Gewittern,
Einsam, ein halbverlorner Stern.

Da mäht’ hervor recht aus des Kampfes Mitte
Ein Ritter sich auf schwarzem Roß,
Nicht achtend Freund noch Feind im tollen Ritte,
Der Tod nur schien sein Kampfgenoß.

Und wie durchs Meer der Luft mit scharfem Sausen
Ein Speer nach seinem Ziele schnellt,
Fliegt dieses kühnen Reiterbildes Grausen
Grad auf den Kaiser übers Feld.

„Mein jetzt,“ rief der Reiter, „stehn wir beide
Vor des Allmächt’gen Antlitz hier,
Auf! wehre dich, du ungetreuer Heide!
Gott richte zwischen dir und mir!“

Den Kaiser schaudert bei dem klang der Stimme:
„Stehn denn die Toten wieder auf?“
Der Reiter aber gab in wildem Grimme
Nur mit dem Schwerte Antwort drauf.

So fochten beide nun in furchtbar’m Schweigen
Wie zwei Gewitter Strahl auf Strahl,
Und wo ein Schwertblitz niederzuckt, entsteigen
Purpurne Meilen heiß dem blanken Stahl.

Der Schilde Riß hemmt das gewalt’ge Ringen,
Sie schleudern kühn die Trümmer fort
Und bieten unbewehrt die Brust den klingen,
Als hing’ die Welt an diesem Mord.

Es flammt ein wunderbar versengend’ Feuer
Aus dieses Reiters Aug’ hervor,
Schon wankte Julian scheu und immer scheuer —
Dann rafft er nochmals sich empor.

Doch wie er ausholt weit, sein Schwert zu schwingen
Zum letzten unheilvollen Streich,
Fühlt er des Gegners Stahl sein Herz durchdringen
Und sinkt vom Rosse todesbleich.

Da rollten des erneuten Kampfes Mögen
Dumpf über den Gefallnen her,
Und mit Wehruf auf Geisterrossen flogen
Die alten Götter durch das Heer.

Dem noch die Welt zu klein vor wenig Stunden,
Hatt’ nun am Streifen Sand genug;
Im Schlachtgewühle aber war verschwunden
Der schreckliche, der ihn erschlug.
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XVI
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