Liedersammlung des Zürcher Chorliederverlag

Schon hat der Perserkönig sein Banner aufgerollt,

Liedtext

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first_lineSchon hat der Perserkönig sein Banner aufgerollt,
lyricSchon hat der Perserkönig sein Banner aufgerollt,
Und wie ein feurig Wetter, das immer näher grollt,
Rings steigen die Geschicke still und verhängnisschwer,
Dem letzten Kampf entgegen zieht Kaiser Julians Heer.

Durch glüh’nden staubes Wirbel sucht das Kamel den Meg,
Und hinter seiner Fährte verweht der Wind den Steg,
Da rieselt keine Quelle, da rauscht nicht Halm noch Baum,
Blutrot die Wüstensonne droht aus dem öden Raum.

So lautlos gehn die scharen, kaum hört man ihren Tritt,
Es hält der Tod mit ihnen unsichtbar gleichen schritt,
Und lauernd überm schweigen der unermeßnen Gruft
Hängt beutelustig derF hoch in der fahlen Luft.

Gespenstisch nur zuweilen ein Strauß vorüberschweift,
Die Luft lügt ferne Auen, von strömen kühl durchstreift,
Daß der Soldat im Traume noch einmal Labung trinkt,
Bevor er in das Sandmeer verschmachtend niedersinkt.

Und als die Wüste dunkelt, einsam vor seinem Zelt
Späht Julian in den Sternen, wem zugedacht die Welt,
Befragt den Flug der Molken ums Los der nahen Schlacht,
Lacht seines Aberglaubens, und glaubt, was er verlacht.

Da sprengt heran ein Bote. — „Was bringst du so schreckensbleich?“ -
„O Herr, setz heut, nur heut nicht aufs Schwert dein junges Reich!

Mars hat, das du entzündet, verstört dein Opfermahl,
Dein Marmorbild auf dem Felsen zerschlug ein Wetterstrahl.“
Ein Hauptmann drauf sich nahte: „Dumpf Grollen geht durchs Heer,

sie blicken scheu zurücke, sie blicken nach dem Meer,
Nach den rettenden schiffen — der betet und der flucht,
Und jedes Aug’ verzweifelnd die ferne Heimat sucht.“ —

Da hob sich Julian finster in Trotz und Hohn:
„O falsche, falsche Götter, karg lohnt ihr eurem söhn!“
Da hieß er verbrennen die Schiffe all im Meer,
Daß fortan keine Hoffnung als nur im siege wär’!

Sine Höhle rauh sich klüftet, der finstern schrecken Haus,
Da ziehn bei Nacht die Winde wehklagend ein und aus,
Es windet sich und ringelt aus feuchtem Felsenspalt
Viel’ giftgeschwollner Würmer verworrne Mißgestalt.

Da ist nicht Tag, ist Nacht nicht, kein Laut den Tod dort stört,
Kaum daß den leisen Flug man der scheuen Eule hört,
Nur unten in der Tiefe ein dunkles Wasser rauscht,
Von Wahnsinn wird ergriffen, wer da hinunterlauscht.

Ein Kind, das Julian opfert’, liegt dort in seinem Blut,
Vor dem sterbenden der Kaiser auf seinen knien ruht,
Wühlt in den Eingeweiden, horcht auf des Herzens schlag,
Ob keiner ihm der Götter draus Heil verkünden mag.

Da war es ihm auf einmal — er meint’ allein zu sein —
Als lauert’ Faustas Kobold seitwärts beim Fackelschein,
Sein Aug’ wie eine Kohle durchs Graun herüberglüht;
Er warf ihm ans Hirn die Fackel, daß sie verlöschend sprüht.

Und als er drauf heraustritt, der Morgen ihn erschreckt,
Er sah mit schaudern seine Hände blutbesteckt;
Da tönte eine Glocke fern durch den Morgenduft,
Der Kaiser fuhr zusammen: „Wer ist’s, der da mich ruft?“

Severus’ Kirchlein, hieß es, dort überm Walde steht,
Die Luft in solcher Frühe - klang herüberweht. —
„Vor dem Severus Hut dich — das war der Götter Mink!“
Er dacht’ der alten Warnung, dacht’ an Oktavians Ring.

Und hastig zu den seinen wandt’ er sich und gebot,
Sie sollten ihm beide bringen, sei’s lebend oder tot!
Und über ihm der Morgen flammt’ in blutroter Pracht,
Am Himmelsgrund verlöschend den letzten Stern der Nacht.
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XIV
Gedicht