Liedersammlung des Zürcher Chorliederverlag

Aus Träumen um die Mittagstunde

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first_lineAus Träumen um die Mittagstunde
lyricAus Träumen um die Mittagstunde
Fuhr plötzlich auf Oktavian
Und schaut’ erschrocken in die Runde,
So fremd blickt’ ihn der Garten an.

Da war’s so wundersam verwandelt,
So still und geisterhaft und bleich
Der Grund, wo er mit ihr gewandelt,
Die Schwäne schliefen auf dem Teich.

Wie mit dem Schlaf die Blumen rangen,
Liane müd’ vom Baume sank,
Die Wasserkünste nicht mehr sprangen,
Kein Vogel in der Schwüle sang.

Das Bächlein selber ließ sein Wandern
Im unermeßnen Schweigen dort,
Ein Baum nur flüsterte zum andern
Leis ein geheimnisvolles Wort.

Verfallen aber, halbversunken
Lag Faustas luft’ges Säulenhaus,
Giftblumen wuchsen traumestrunken
Aus allen Trümmern wild heraus.

Sie selbst schlief auf den Marmorschwellen,
Verlöscht der muntre Augenschein,
Erstarrt der schönen Glieder Wellen,
Ihr Angesicht streng wie von Stein.

Dem Ritter graut’ vor ihren Wangen,
Er sann, und wüßt’ nicht, wo er ist,
Doch wie er aufsprang, schlüpften Schlangen
Grüngolden züngelnd ins Genist.

Entsetzt in dieser öden Schwüle
Durchirrt’ er nun den Trümmerhauf’,
Und atmet’ in der Waldeskühle
Erst wieder tief und freier auf.

Da sah er durch der Bäume Spitzen
Die Strome unten wieder gehn,
Fern seine lust’gen Reiter blitzen,
Ihr Banner hoch im Winde wehn.

Die bliesen frisch zum Kriegestanze,
Und wie er aus dem Walde schritt,
Gluthell in vollem Waffenglanze
Ihm Julian entgegenritt.

„Wo warst so lange du, Geselle?“
Rief der ihm zu, „jetzt gilt das Schwert,
Mir stehn an der Entscheidung Schwelle,
Voran nun, wer des Ruhmes wert!“ —

Hier stockt er plötzlich und schaut wilde —
Den Ring, den er als Liebespfand
Einst angesteckt dem Marmorbilde,
Gewahrt er an Oktavians Hand.

Der tat weithin da einen langen
Blutroten Blick im Sonnenschein. —
„Von wem hast du den Reif empfangen?“
„Es gab ihn mir die Liebste mein.“ —

Da starrt Julian in finsterm sinnen,
Daß jener tief zusammenschrickt,
Dann stürzt er wüst und bleich von hinnen,
Als hätt’ er ein Gespenst erblickt.
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XII
Gedicht