Liedersammlung des Zürcher Chorliederverlag

Rings der Jubel kräht’ schon heiser,

Liedtext

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first_lineRings der Jubel kräht’ schon heiser,
lyricRings der Jubel kräht’ schon heiser,
Mancher lag in wüstem Traum,
Ihres Lagerfeuers Reiser
Flackerten im Winde kaum.

Auf der Götter Wohl den Becher
Stießen, die noch wachten, an
Mit dem wildesten der Zecher,
Und das war Oktavian.

Immer wieder mußt’ der denken
An des Vaters Gruß und Haus;
Die Gedanken zu ertränken,
Stürzt er keck den Becher aus.

Drauf vom sitz’ empor sich reißt er:
„Flammen züngeln aus dem Wein,
Wildester der Lügengeister,
Ring mit mir, ich lache dein!“

Und erbleichend warf den Becher
Mit des letzten Weines Gischt
In das Feuer der wilde Zecher,
Daß die Glut verlöschend zischt.

Rasch dann schritt er in die Felder,
Schauert’, als er draußen stand,
Wie ein dunkler Strand die Wälder,
Wie ein stilles Meer das Land. —

War das einer Nixe Klage,
Eine Nachtigall, die sang?
Nacht, du Mutter wirrer Sage,
Hast so wunderbaren Klang.

Und wie durch der Harfe Saiten
Windeshauch melodisch zieht,
Hort er durch die Wipfel gleiten
Einer süßen Stimme Lied:

„Hörst du nicht die Quellen gehen
Zwischen Stein und Blumen weit
Nach den stillen Waldesseen,
Wo die Marmorbilder stehen
In der schönen Einsamkeit?

Von den Bergen sacht hernieder,
Weckend die uralten Lieder,
Steigt die wunderbare Nacht,
Und die Gründe glänzen wieder,
Wie du’s oft im Traum gedacht.“ —

Drauf von neuem tiefes Schweigen,
Und der Ritter schritt voll Hast,
Sah aus duft’gen Gärten steigen
Einen prächtigen Palast:

Luft’ger Säulen schlanke Fülle,
Als hätt’ jener holde Laut
In der träumerischen stille
Sie aus Mondschein aufgebaut.

Über blüh’nder Myrten Krone
Leuchtend sich ein Springbrunn schwang,
Und herüber vom Balkon
Wieder tönte der Gesang:

„Kennst die Blume du, entsprossen
In dem mondbeglänzten Grund?
Aus der Knospe, halb erschlossen,
Junge Glieder blühend sprossen,
Weiße Arme, roter Mund,
Und die Nachtigallen schlagen,
Und rings hebt es an zu klagen,
Ach, vor Liebe todeswund,
Von versunknen schönen Tagen —
Komm, o komm zum stillen Grund!“

Und fort tönt’s, die Nacht rauscht leise
Und der Mond so zaubrisch scheint,
Er erkannte Faustas Weise,
Wußt’ wohl, wen das Singen meint.

Hat dem Klange folgen müssen
In den duftberauschten Grund —
Dort seitdem vor glüh’nden Küssen
War verstummt der Liedermund.
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XI
Gedicht