Liedersammlung des Zürcher Chorliederverlag

Am Abend aus dem Walde tat’s manchen Waffenblick,

Liedtext

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first_lineAm Abend aus dem Walde tat’s manchen Waffenblick,
lyricAm Abend aus dem Walde tat’s manchen Waffenblick,
Es kehrte Oktavian wieder, Severus’ Sohn, zurück
Mit seinem Reiterfähnlein aus fernem Land,
Die seinen hieß er rasten da an des Waldes Rand.

Er selber stieg vom Rosse, ging schweigend in die Heid’,
Er wüßt’ ein altes Kirchlein in dieser Einsamkeit,
Dort wollt’ er hin sich knien nach überstandner Fahrt
Und Gott im stillen Danken, der ihn so treu bewahrt.

Hier war die alte Stätte, er hat sie wohl erkannt,
Da rauschte noch die Linde; doch wo das Kirchlein stand,
Lag wie ein Grabeshügel heute ein Trümmerhauf’,
Die Linde streut’ im Winde all ihre Blüten drauf.

Und wie er naht, vom Schutte ein Knäul sich wirrt
Verworrener Gestalten, Weib, Jager, Kind und Hirt,
Die blickten scheu herüber, doch da sie ihn erkannt,
Umringten sie ihn traulich und jeder reicht die Hand.

‘s sind Christen, die vorm Glanze hoffärt’ger Niedertracht
Geflüchtet zu der Armut der freien Waldespracht.
Da hörte er berichten von falscher Liebe Glut,
Von schnödem Abfall und von Julians Frevelmut.

Sie sagten von einem Dämon, der, weder Mann noch Weib,
In güldne Zauberwaffen gehüllt den schlanken Leib,
Voranzög’ ihrem Heere, und hinter ihm, wo er ritt,
Schlug’ Flammen aus dem Boden seines Rosses Tritt.

Auf einmal schrie’s: Da kommt er! Entsetzt fuhr alles auf,
Die Christen rings zerstoben, und donnernd in wildem Lauf
Braust eine Horde von Söldnern übers Moor,
Ein Helm mit Geierflügeln ragt über alle empor.

Oktavian aber stürzt’ sich, wie’s so vorübersauft,
Dem Führer keck entgegen, das Schwert in seiner Faust.
Der stutzt’. „Mach Platz da!“ rief er, „du weißt nicht, wer ich bin!“ —
„Und wärest du der Teufel, so fahr’ zur Hölle hin!“

Sie fochten miteinander, dicht Schlag auf Schlag da fiel,
Der Stahl in Waldesstille klang wie ein Glockenspiel,
Der Augen Wetterleuchten sprüht zornig, o wie bald
Entströmt’ Oktavians Blut da aus seines Helmes Spalt.

Und immer mehr der Quellen entlockt des Gegners Schwert,
Schon färben Purpurwellen den Panzer und die Erd“,
Ihm flimmert’s vor den Augen wie tiefes Abendrot,
So sank er auf den Rasen — wüßt’ niemand von seiner Not.

Der Abend aber senkte in Tränen rings das Land,
Die Wälder glühten rauschend wie in Zornesbranä,
Der Vögel irres Fingen durch alle Wipfel lief,
Als ob’s für den Gefallnen um Hilfe rief.

Und als er wieder aufwacht’, der Mond schon helle schien,
Ein wunderherrlich Frau’nbild sich beugte über ihn,
Es war ihm wie im Traume, da er an dem Gewand
Den übermächt’gen Gegner in diesem Weid erkannt.

Sie kniete ihm zu Häupten, ihr Helm von rotem Gold
Lag neben ihr im Grase, und wallend aufgerollt
Umgab von allen selten der Locken dunkle Pracht
Den Traumestrunkenen wie eine Zaubernacht.

Die Wunden nicht mehr bluten; ihr eigenes Gewand
Hart’ eilig sie zerrissen zum heilenden Verband,
Warf hin ihr Schwert zu Boden, ließ ihren wilden Brauch,
Und lauschte, Mund an Munde, auf seines Atems Hauch.

Doch als aus seinem Auge sie traf der erste Strahl,
Hol, sie sich schnell vom Rasen, rasselnden blanken Stahl,
Schüttelt’ die wilden Locken und band sie wieder auf,
Drückt’ mit den Geierflügeln den güldnen Helm darauf.

Zurück noch einmal blickt sie dann auf den Ritter wund:
„O hätt’st du mich erschlagen in äiesem stillen Grund!“ —
„Wer bist du?“ fragt er schauernä. — „Fausta werd“ ich genannt.“ —
Er könnt’ ihr nicht mehr zürnen, da sie sich traurig wandt’.
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IX
Gedicht