Liedersammlung des Zürcher Chorliederverlag

Unter schwankenden Palmen

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first_lineUnter schwankenden Palmen
lyricUnter schwankenden Palmen
So fremde Welt!
Wie von blitzenden Halmen
Ein wallendes Feld
Funkeln Helme und Speere,
Ziehen Julians Heere.
Aus prächtigen Decken
Über die Felsen
Kamele strecken
Traumhaft die Hälse,
Und dem Zuge voran
Auf grünem Plan
Gleich luft’gem Gefieder
Bunt hin und wieder
Tummeln sich Reiter
Zu spiel und zu Wehr,
So immer weiter
Durchs Land sich schlang es,
Aus dem heiligen Sanges
Ewige Jugend zu trinken,
Wo die Länder versinken
Ins endlose Meer.
Aber die Schwellen
Zu des Orients hellen
Gärten voll Pracht
Ein Löwe heißblütig,
König Sapor, bewacht
Julian, hüt’ dich!

Und wie sie so zogen,
Ein Kreuz da stand
Auf dem Felsenbogen,
Als segnet’s das Land
Und des Stromes Grüßen,
Der ihm rauschte zu Füßen;
Ein blühend Gehege
Die Reben drum schlangen,
Das hemmte die Wege,
Und Äxte bald klangen,
Daß klagend der Wald
Von Mord widerhallt
Und Kreuz und Ranken
Schwankten und sanken,
Vereint noch im Falle,
In den Abgrund hinab,
Wo des Stroms Kristalle
Es schauernd umfassen.
„Licht sind nun die Gassen,“
Rief Julian den Gesellen,
„Mein Bild sollt ihr stellen
Auf des Kreuzes Grab,
Daß die Jahrhunderte lesen,
Wer stärker gewesen
Und Sieger der Welt:
Der Jude lammsmütig
Oder Romas Held —“
Julian, hüt’ dich!

Und weiter wieder
Am Bergeshang
In Flammen nieder
Ein Kirchlein sank;
Durch die hohen,
Blutroten Lohen
Sah Julian erschrocken
Fausta dringen,
mit wallenden Locken
Die Brandfackel schwingen,
Hatt’ so furchtbar schön
Sie noch niemals gesehn.

Und auf dem Fluß im Grunde
Zur selben Stunde
Glitt singend vorüber
Ein Christenschiff,
Als Mast darüber,
Dem Strom enthoben,
Das Kreuz von droben,
Das leuchtet wie Feuer,
Severus am Steuer
Lenkte ums Riff. —
Fausta lauscht lange
Dem fremden Gesange,
Zu dem Kaiser dann
Rief sie zornmütig:
„Vor dem Steuermann,
Julian, hüt’ dich!“
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Internet PageJulian - 08.
VIII
Gedicht