| lyric | Unter schwankenden Palmen So fremde Welt! Wie von blitzenden Halmen Ein wallendes Feld Funkeln Helme und Speere, Ziehen Julians Heere. Aus prächtigen Decken Über die Felsen Kamele strecken Traumhaft die Hälse, Und dem Zuge voran Auf grünem Plan Gleich luft’gem Gefieder Bunt hin und wieder Tummeln sich Reiter Zu spiel und zu Wehr, So immer weiter Durchs Land sich schlang es, Aus dem heiligen Sanges Ewige Jugend zu trinken, Wo die Länder versinken Ins endlose Meer. Aber die Schwellen Zu des Orients hellen Gärten voll Pracht Ein Löwe heißblütig, König Sapor, bewacht Julian, hüt’ dich!
Und wie sie so zogen, Ein Kreuz da stand Auf dem Felsenbogen, Als segnet’s das Land Und des Stromes Grüßen, Der ihm rauschte zu Füßen; Ein blühend Gehege Die Reben drum schlangen, Das hemmte die Wege, Und Äxte bald klangen, Daß klagend der Wald Von Mord widerhallt Und Kreuz und Ranken Schwankten und sanken, Vereint noch im Falle, In den Abgrund hinab, Wo des Stroms Kristalle Es schauernd umfassen. „Licht sind nun die Gassen,“ Rief Julian den Gesellen, „Mein Bild sollt ihr stellen Auf des Kreuzes Grab, Daß die Jahrhunderte lesen, Wer stärker gewesen Und Sieger der Welt: Der Jude lammsmütig Oder Romas Held —“ Julian, hüt’ dich!
Und weiter wieder Am Bergeshang In Flammen nieder Ein Kirchlein sank; Durch die hohen, Blutroten Lohen Sah Julian erschrocken Fausta dringen, mit wallenden Locken Die Brandfackel schwingen, Hatt’ so furchtbar schön Sie noch niemals gesehn.
Und auf dem Fluß im Grunde Zur selben Stunde Glitt singend vorüber Ein Christenschiff, Als Mast darüber, Dem Strom enthoben, Das Kreuz von droben, Das leuchtet wie Feuer, Severus am Steuer Lenkte ums Riff. — Fausta lauscht lange Dem fremden Gesange, Zu dem Kaiser dann Rief sie zornmütig: „Vor dem Steuermann, Julian, hüt’ dich!“ |