Liedersammlung des Zürcher Chorliederverlag

Das war ein vergnüglich’ Leben!

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first_lineDas war ein vergnüglich’ Leben!
lyricDas war ein vergnüglich’ Leben!
Zwischen Palmen, schlank und glatt,
Funkelte im Abendwinde
Antiochia, die stolze Stadt.
Von dem Markte, von den Gassen
Stieg empor ein fetter Rauch,
Ganze Hekatomben Ochsen
Schlachtet’ man nach altem Brauch,
Überall von den Altären
Wirbelt’s durch die blaue Luft;
Die Germanen und die Gallier
Wittern bald den Bratenduft,
Und derweil der Heidenpriester,
Mit geprüftem Seherblick
Und Gebete heimlich murmelnd,
Künft’ger Zeiten Not und Glück
In des Opferduftes Kräuseln
Und den Singeweiden las,
Lagerten sich die Soldaten
Gierig um den Götterfraß,
Achten nicht der würz’gen Hauche
Und der süßen Melodien,
Die vom nahen Hain der Daphne
Durch die Abendlüfte ziehn.
Halbe Heiden, halbe Christen,
Die das Kreuz schier wund gedrückt,

Freun sich dort der neuen Freiheit
Und umarmen sich entzückt.
Jungfrauen auch, die zweifelhaften,
Die längst seitwärts schon geschielt
Nach dem nackten Flügelknaben,
Der aus allen Hecken zielt,
Laufen aus den engen Kammern —
Ward der alte Gott zum Spott:
Draußen findet jede Nymphe
Herzhaft ihren jungen Gott.
Und zum sel’gen Ringeltanze
Flöte nun und Leier klingt,
Trunken rasen die Mänaden,
Hinterdrein der Satyr springt,
Und beim rosenduft’gen Becher
Fühlt der Weise, tiefgerührt,
Nach der finsteren Verdummung
Auch sein Fleisch emanzipiert.
Mitten durch den Jubel aber,
Reichgeschmückt den schönen Leib,
Zog da auf schneeweißem Zelter
Das geheimnisvolle Weib;
Von der Hand ihr funkelt’ wieder
Kaiser Julians goldner Reif,
Hinter ihr von alt’ und jungen
Rittern ein glücksel’ger Schweif.
Und es ging ein wirr Gerede
Und sie schworen fest und steif:
Fausta sei es, eine Fürstin,
Die, aus ihrem Reich verbannt,
Um es wieder zu erobern,
Sich an Julian gewandt.
Hei, wie wimmelt’s da von Rettern!
Tausend Bolzen auf ein Ziel,
Eifersücht’ger Blicke Dolche
Und verliebter Augen Spiel.

Jeder fühlt von ihrer Schönheit
Sich selbst wunderbar verschönt,
Während sie die glatten Freier
Zugleich anlockt und verhöhnt:
Der muß ihr die Bügel halten,
Der zum Schemel sein Genick,
Der mit Palmen Kühlung fächeln,
Keiner merkt den Marmorblick.

So durch Herzensfeuersbrünste
Ritt sie unversehrt und stolz,
Und sie schaudert’, fröstelnd rief sie:
O wie trüb brennt faules Holz!
Beiher aber lief ihr Knappe,
Lächerlich und doch voll Graun,
Kürbisgleich auf dünnen Beinen,
Niemand mocht’ dem Dickkopf traun:
Rotes Haar zerzaust vom Winde,
Graue Augen schiefen Blicks,
Breiter Mund und spitze Nase
Und ein Buckel hinterrücks.
Der Germanen ungeschlachte
Riesenleiber bei dem Mahl
stichelt’ er mit spitzen Witzen;
Zornig griffen die zum Stahl,
Doch wie sie den Flamberg schwingen,
Sehn sie den Verwegnen weit
Feldwärts schon in luft’gen Sätzen,
Und das tat den Recken leid.
Drauf den heil’gen Hain der Daphne
Streift er im Vorübergehn,
Mischt sich wütend in den Reigen,
Eh’ sie dessen sich versehn,
Macht so unerhörte Sprünge,
So galant und so verliebt,
Daß da plötzlich ganz erschrocken
Alles auseinanderstiebt.
Vor Erstaunen stockt die Leier,
Liebchen kreischt, der Liebste schilt,
Hinter ihnen durch die Wirrung
Sein durchdringend’ Lachen schrillt.
Fausta aber schaut’ indessen
Halb erschreckt, halb zornigwild
In die Ferne, tief dem tollen
Knappen, was ihn sehr verdroß,
Und wandt’ drauf sich furchtbar’n Blickes
Waldwärts aus dem Freiertroß.
Denn da drüben in dem Haine
Hebt ein neuer Lärmen an,
Held Severus ist gekommen,
Julians alter Kriegskumpan.
Julian hatt’ ihn mit dem Sohne
Zu entlegnem Kampf entsandt,
Da erscholl so wirre Kunde
Bis zu ihm ins fremde Land,
Und dem Sohn lieh er das Fähnlein
Nach siegreich vollbrachtem Strauß,
Eilte, wie vom Sturm getrieben,
Den Heimziehenden voraus,
Und kam eben ungeladen
Zu diesem Fest und Opferschmaus,
Und beschaut’ mit schlechtverhaltnem
Grimm die lose Neuigkeit.
Am ihn her die Tänzer höhnten:
„Seht die gute alte Zeit!“
Doch stumm blickt er in die Runde,
Achtend weder Spott noch Witz,
Jeder Blick ein Wetterleuchten,
Todeswunde jeder Blitz. —
„Und wenn — sprach er — nein, unmöglich!
Das ist nie und nimmer wahr!“ —
Vor den Blicken, vor der Stimme
Mich entsetzt die bunte Schar,
Und durch die verstörten Reigen
Lenkt er seines Rosses Lauf
Aber Kränze hin und schleifen,
Sucht den Kaiser Julian auf.
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VI
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