Liedersammlung des Zürcher Chorliederverlag

„Wie ich auch rang und fleht’ und frug: Entsagen

Liedtext

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first_line„Wie ich auch rang und fleht’ und frug: Entsagen
lyric„Wie ich auch rang und fleht’ und frug: Entsagen
War stets die Antwort, die mir Christus bot,
Das schöne Leben an das Kreuz zu schlagen,
Ist Christenbrauch, und ihre Kunst der Tod.

Wie anders einst in Romas großen Tagen,
Die jetzt der Glaubenswahn gebunden hält!
Da hieß ihr Losungswort: Lebend’ges Wagen,
Und vor den Kühnen beugte sich die Welt.

Die Heldensagen aber einsam ragen
Herein noch ins verwandelte Geschlecht,
Und auf den Riesentrümmern stehn und fragen
Die alten Götter nach dem alten Recht.

Da wacht allnächtig auf geheimes Sehnen,
Der Wald schaut träumend nach Diana aus,
Am Vesuv stehn die Blumen all in Tränen,
Das Meer umwogt Neptuns kristallnes Haus.

O heil’ge Nacht! Zuweilen nur Sirenen
Noch tauchen aus dem mondbeglänzten Grund
Und tun, wenn alles schläft, in irren Tönen
Dem Menschenkind die tiefe Wehmut kund.“

So klagte Julian bei nächt’ger Stunde
Im Garten zu dem Sternendom empor,
Und draußen macht der Aufruhr seine Runde,
Schlug immer wilder an des Palasts Tor.

„Wer rief mich da? — Wie? schüttelt seine Locken
Der alte Löwe schon, den ich befreit?“ —
Er hob sich rasch vom Sitz und blickt’ erschrocken
Rings um sich in der stillen Einsamkeit.

Denn zwischen dem verwitterten Gesteine,
Den schönen Leib umrankt von Blumen wild,
Stand geisterhaft im bleichen Mondenscheine
Fernab manch halbversunknes Götterbild.

Brünstig umschlungen hatt’ der Lenz das eine,
Man sah’s vor purpurroten Rosen kaum,
Er hieb sich durchs Geflecht von wildem Weine,
Und stand erschreckt — „Dich sah ich oft im Traum!“

„Sei Roma, Venus — mahnend mir erschienen,
Ich grüß’ als Braut dich!“ und vom Finger wand
Er eines Ringes funkelnde Rubinen,
Steckt’ ihn dem Liebchen an die kalte Hand.

Da war’s, als ob ihr Auge sich bewegte,
Leis flüsterte der alten Almen Rund’,
Und wie aus Träumen Bild auf Bild sich regte —
Er floh entsetzt, ihn graut im Herzensgrund.

Und immer näher draußen braust das Rufen
Gleichwie ein Sturmwind durch das öde Haus,
Schon donnert es herauf die Marmorstufen —
Sie riefen ihn zu ihrem Kaiser aus.

Und als er naht, umringen ihn die Wilden
Zudringlich roh — der stürzt ihm an die Brust,
Die heben ihn empor auf ihren Schilden,
Es war ein tödlich’ Dräun in dieser Lust.

Doch einer riß der Ehrenketten Schlinge
Sich von der Brust und wand um Julians Haupt
Als Herrscherdiadem die goldnen Ringe,
Das keinen noch erfreute, der’s geraubt.
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Internet PageJulian - 03.
III
Gedicht