Liedersammlung des Zürcher Chorliederverlag

Die Stadt Paris wogt festlich, vom alten Mauerkranz

Liedtext

indexcontent
first_lineDie Stadt Paris wogt festlich, vom alten Mauerkranz
lyricDie Stadt Paris wogt festlich, vom alten Mauerkranz
Schaun Bürger bunt und Frauen im schönsten Sonntagsglanz,
Sie lehnen heiter plaudernd über der Zinnen Rand
Und eifrig weisen andre hinaus ins grüne Land.

„Sie kommen!“ ruft’s da plötzlich, und still wird’s auf dem Wall;
Schon hört man Rosse wiehern und fernen Waffenschall,
Und da und dort vom Felde blitzt’s auf im Sonnenschein —
Das ist das Heer der Römer, das siegreich kommt vom Rhein.

Jetzt nahte sich das Fußvolk, der Boden bebt vom Tritt.
„Willkommen!“ schrien die droben, „wen dringt ihr da uns mit?“ -
„Gefangene Germanen.“ — „Wie die verächtlich schaun!
Die sehn ja aus wie Sieger, nicht möcht’ ich denen traun!“

Auf einmal aber schmettert’s herüber aus dem Tal —
„Das sind die lust’gen Reiter, gegrüßt viel tausendmal!“
Und alle Blicke wenden, von dem Klange froh erschreckt,
Sich nach dem Staubeswirbel, der noch die Schar bedeckt.

Da teilt der Wind die Wolke, und hoch auf weißem Roß
Im Waffenschmucke leuchtend, dem blanken Reitertroß
Voran mit weh’ndem Helmbusch, erscheint der Julian,
Und ein Jauchzen von der Mauer hallt über den ganzen Plan.

Vom Mauerkranze aber flüstert manch schöner Mund:
„Wie zierlich läßt er tanzen sein Rößlein übern Grund,
Blickt aus der Nacht der Locken recht wie ein Morgen frisch,
So kühn die edle Stirne, die Augen so träumerisch.“

Doch die Bürger schütteln die Köpfe und wundern sich gar sehr:
„Was reiten da für Gesellen hinter dem Julian her?
Philosophen mit langen Bärten, Poeten ohne Schwert,
Das sind gewißlich Griechen, denn der Julian ist sehr gelehrt.“

Er aber wandt’ sich scherzend zurück vom luft’gen Sitz,
Da flogen spielend Witze, anmutig Blitz um Blitz,
Und grüßend oft dazwischen sein Blick über die Zinnen schweift,
Da senkt sich manches Auge, wenn es sein Blick gestreift.

Und als er kam zum Tore, der Bischof trat hervor,
In festlichen Gesängen pries Gott der Priester Chor,
Daß Er für seine Kirche in wilder Heiden Schwarm
So wunderbar gestählet des jungen Helden Arm.

Fürst Julian sprang vom Rosse und kniete auf den Grund,
Aber ein spöttisch Lächeln spielt’ ihm um Aug’ und Mund,
Denn hinter ihm der Dichter flüstert’ ihm leise zu:
„Wie lullt ihr wildes Kindlein die heisre Amm’ in Ruh’!“

„Dompfaffen lehrt man pfeifen,“ entgegnet Julian,
„Was ficht es in dem Walde die andern Vögel an!
Ihr Lied bleibt doch das alte“ — „Und frei des Adlero Flug,“
Versetzt der bärt’ge Weise, „doch, hoher Herr, sei klug!“
language ISO 639deu = german / allemand / deutsch / deutsch
protection ©domain public

wird verwendet in

MediaTitelPersonGenreBesetzung
Internet PageJulian - 01.
I
Gedicht