Liedersammlung des Zürcher Chorliederverlag

Es war vollbracht,

Liedtext

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first_lineEs war vollbracht,
lyricEs war vollbracht,
Geschlagen die Schlacht
Bei Bibrakte, die blutige Völkerschlacht;
Zu Boden lagen der Elk und der Ur,
Besiegt vom römischen Adler.
Der Römer gebot an der Aar' und Thur,
vom Rhodanus bis zum Rheins
Und stürzte die Opfersteine
Im heiligen Eichenhaine.

2. Nur Zinzibils Sohn, Winidumar,
Blieb unbesiegt vom römischen Aar.
Er baute sein Haus auf schwankem Pfahl
Am See hoch oben im Juratal,
Am Fuße der gähen Felsenwand,
Wo der Schnee zur Sonnenwend' erst schwand;
Ihn lockt' nicht das warme Sonnenland;
Er blieb und ließ die andern
Hinunter nach Gallien wandern.

3. Gesegnet war er mit Kindern zwei'n;
Klein Gyxtis, so hieß das Töchterlein;
Das Söhnlein nannten sie Noreswan.
Es liebten sich Bruder und Schwester;
Und klettert der Knabe den Fels hinan,
Zu bürschen das Reh, zu balzen den Hahn,
Zu suchen der Falken Nester,
So folgt ihm auf steiler, schwindliger Bahn
Mit fröhlichem Mute die Schwester.

4. Jung Noreswan jauchzt in die Ferne hinaus;
Klein Gyptis windet die Blumen zum Strauß,
Des Lenzes liebliche Boten.
Es spielt der Wind mit dem blonden Haar
Des Kindes und dem braunen des Rangen.
Es hatte geschenkt Winidumar
Dem Mägdlein die goldenen Spangen,
Die zierlich sich wanden um Knöchel und Arm,
Wie zwei sich ringelnde Schlangen.

5. Sieh die rosige Wang',
Wie sie plötzlich erblaßt!
Welch' Schrecken, so bang,
Hat sie jählings erfaßt?
Sie deutet zur Tiefe mit Beben.
Dort wirbelt der Rauch;
Dort züngelt die Flamm' ;
Es glitzert der Römerhelm auf dem Damm,
Der zur heimischen Pfahlburg führet.
Bald hatte der Brand die Stätte verzehrt;
Der Römer war's , der ihn geschüret.

6. Erschlagen lag unten Winidumar;
Es erlag der wilde Falke dem Aar:
Seinem Lose kann keiner entrinnen . . .
Umstellt ist der Berg ; mit gierigem Blick
Späht der Römer hinauf nach den Zinnen.
Auf dem römischen Markt bezahlen sie gut
Das frische, junge, keltische Blut;
Drum will er beide sie fangen:
Das liebliche Kind mit den Spangen
Und den wilden, trotzigen Rangen.

7. Da sprach zum Schwesterlein Noreswan:
„In der Römerstadt, auf dem sandigen Plan
„Sollt' ich als Schwertknecht fechten?
Sollt' ich knirschend schaun,
Wie Gyptis als Magd den Römerfraun
Das dunkle Haar muß flechten?
Gyptis , wir zwei, wir bleiben frei;
Uns soll der Römer nicht knechten"" !

8. Er umschlingt geschwind
Mit dem Arm das Kind;
Das bot zum Kuß ihm die Lippe _
Ein gewaltiger Schwung, _
Ein Todessprung!
Sie stürzen von Klippe zu Klippe –
Die zarten Leiber zerschellen.
Sie spielen nimmer im grünen Klee;
Mitleidig bedeckt sie der tiefe See
Mit blauen, kräuselnden Wellen.
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Broschüre / HeftGyptis und Noreswan.
Ballade.
ChormusikTTBB; Pn.